Sammlungsschätze

In deutschen Forschungssammlungen lagert eine unglaubliche Fülle von Dokumenten und Belegen der Erforschung unseres Planeten, von denen viele zugleich auch einmalige Zeugen der Kulturgeschichte des Menschen sind. Das Konsortium "Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen" umfasst über 100 Millionen naturwissenschaftlicher Sammlungsobjekte und stellt somit den derzeit wohl größten entsprechenden naturkundlichen Sammlungsverbund weltweit dar.

Diese Sammlungen dienen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als einzigartige Forschungsresource. Ehrgeiziges Ziel ist, alle Daten und Metadaten zu den Sammlungsobjekten (also wissenschaftliche Beschreibung inc. Abbildung, Namen, Fundort, Fundumstände, Aufsammlungsalter, Fundalter, wissenschaftliche Auswertung, Verwandschaftsbeziehungen, DNA und Isotopenanalyseergebnisse, Schadstoffanalysen, Literaturverweise, Zustand des Objektes, Besitzer- und Namenswechsel usw.) in weltweit kostenlos und einfach zugänglichen Datenbanken zur Verfügung zu stellen.

Die Erschließung der Sammlungen in dieser Weise ist ein umfassender Beitrag zur globalen Erschließung von Wissen. Derart erschlossene Sammlungen dienen auch als Grundlage zur Bewertung von Umweltveränderungen, zur Unterstützung politischer Entscheidungen (etwa der Einrichtung von Schutzgebieten, der Beurteilung der zulässigen Nutzung, der Bewertung des Einflusses invasiver Tiere und Pflanzen etc). Sie dienen weiterhin als Modellgrundlage zur Bewertung vergangener und Vorhersage zukünftiger Änderungen der Umwelt, der Ökosysteme und der Vielfalt des Lebens. Die DNFS betrachtet ihre Sammlungen als Referenzarchiv, als Infrastruktur zur Erforschung der Evolution der Erde und des Lebens, aber eben auch als Gedächtnis der Erde und des Lebens und damit als essenzielle Bewertungsgrundlage für gesellschaftsrelevante Fragestellungen.

Nachfolgend werden die Sammlungsschätze in den deutschen Forschungssammlungen aufgelistet. Für nähere Informationen verweisen wir auf die Seiten der Mitgliedsinstitutionen der DNFS.

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin
Die Sammlungen umfassen die Herbarsammlungen, die Lebendsammlungen des Botanischen Gartens (20.000 Arten), die Saatgutsammlungen der Dahlem Seed Bank (7000 Akzessionen) und die Gewebe und DNA-Proben der DNA-Bank (14.100 Proben). Mit 3,6 Millionen getrockneten und konservierten Pflanzenbelegen hat der BGBM das größte Herbarium in Deutschland. Neben den Blütenpflanzen bewahrt das Herbarium Sammlungen von Algen, Moosen, Farnen, Pilzen und Flechten. Ergänzt werden sie durch Sondersammlungen von Früchten, Samen, Holzproben, Gallen, Pflanzenprodukten und einer Nasspräparatesammlung.
Die Sammlungen sind historisch begründet global und auf die aktuellen Forschungsschwerpunkte (Asterales, Caryophyllales sowie euromediterraner und karibisch-lateinamerikanischer Raum) ausgerichtet. Sie werden ergänzt durch die größte botanische Fachbibliothek im deutschsprachigen Raum, z.Zt. knapp 150.000 hochauflösenden Herbar-Digitalisaten, der Sammlungsbestandsdatenbank BoGART mit über 200.000 Datensätzen und 19 weiteren wissenschaftlichen Datenbanken und Informationssystemen, die vom BGBM entwickelt und verwaltet werden.

Centrum für Naturkunde – Universität Hamburg
Das im Oktober 2014 neu gegründete Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg umfasst das Zoologische Museum, das Mineralogische Museum sowie das Geologische und Paläontologische Museum. Die Forschungssammlungen weisen einen Bestand von zusammen circa 10 - 12 Millionen Sammlungsstücken auf. In der Zoologie sind darunter beispielsweise die größte deutsche Fischsammlung sowie wichtige Sammlung von Krebstieren. Diese und die übrigen zoologischen Sammlungen machen das Centrum für Naturkunde zu einem Referenz-Zentrum für die globale Biodiversitätsforschung.

Herbarium Hausknecht, Jena
Die Sammlung umfasst etwa 3,3 Millionen Belege von Pflanzen aus allen systematischen Gruppen und aus allen Erdteilen. Sammlungsschwerpunkte sind Vorderasien, Südost- und Mitteleuropa und - seit 1970 - auch Kuba. Das Herbarium besteht aus der überwiegend systematisch in die Hauptgruppen Samenpflanzen, Farne, Laubmoose, Horn- und Lebermoose, Flechten, Pilze und Algen geordneten Generalsammlung und aus Sammlungen von Pollenpräparaten, Früchten, Minen und Gallen. Die Moossammlung gehört mit ca. 500.000 Belegen zu den zehn größten ihrer Art weltweit. Die Sammlung kubanischer Pflanzen ist mit mehr als 50000 Belegen die größte außerhalb Amerikas. Die angeschlossene Bibliothek verfügt über einen reichen Fundus an Florenwerken, Monographien und Sonderdrucken zur Systematik der Pflanzen sowie Fachzeitschriften. Darüber hinaus werden reiche Archivbestände zur Geschichte der Botanik aufbewahrt.

Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
In der größten deutschen naturkundlichen Forschungssammlung wird ein Original des Urvogels Archaeopteryx lithographica, die Belegstücke zu einer der wichtigsten europäischen Afrika-Expeditionen, der Tendaguru-Expedition aus den Jahren 1909-1913 ins heutige Tansania und das umfangreiche Material früher meeresbiologischer Expeditionen (z.B. deutsche Tiefsee-Expedition Valdivia, 1898-1899) sowie eine der mit 9 Millionen Exemplaren größten Käfersammlungen der Erde aufbewahrt. Die Nasssammlung des Museums umfasst annähernd 275.000 Gläser mit in Alkohol konservierten Tieren. Insgesamt besitzt das Museum über 30 Millionen Sammlungsobjekte. Viele der kulturell und wissenschaftlich besonders wichtigen Objekte wie der Brachiosaurus brancai, Archaoopteryx lithographica, Meteoriten oder Sammlungsobjekte von A.v. Humboldt sind für Besucher als Museumsexponate im Original zugänglich.

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Die Sammlungen der Senckenberg-Institute umfassen rund 38,5 Millionen Objekte und Serien, wobei der Großteil von Tieren, aber auch von Fossilien, Pflanzen und Pilzen gebildet wird. Weitere wichtige Sammlungen umfassen Mineralien, Gesteine und Meteoriten. Die Senckenbergischen Sammlungen dokumentieren die Vielfalt der belebten und unbelebten Natur und helfen, sie für die internationale Wissenschaftlergemeinschaft zu erschließen.
Die Senckenbergischen Sammlungen sind Globalsammlungen, die die weltweite Bio- und Geodiversität dokumentieren. Sie werden laufend erweitert und sind die Basis verschieden ausgerichteter Grundla­genforschung (taxonomisch-systematisch, ökologisch, biogeogra­fisch und geowissenschaftlich) wie auch angewandter umweltrelevanter Forschung. Sie sind auch in ihren histori­schen Bezügen ein wertvolles, nicht selten unter Einsatz eines erheblichen Aufwandes erworbe­nes Kulturgut, das daher dauerhaft zu bewahren ist. Die ältesten von Senckenberg betreuten Sammlungsteile gehen mit den mineralogisch-geologischen Beständen in Dresden bis auf das 15. Jahrhundert zurück.
Die Senckenberg-Sammlungen befinden sich an den Standorten Frankfurt/Main, Dresden, Görlitz, Müncheberg und Weimar.

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Die Sammlungen beherbergen gemeinsam eine Vielzahl hoch wertvoller Funde und Objekte: So besitzt die Botanische Staatssammlung München unter ihren Schätzen die aus dem 19. Jahrhundert stammende Brasilien-Sammlung von Carl Friedrich Philipp von Martius, die Grundlage eines vielbändigen Florenwerkes, welches auch heute noch eine der wichtigsten Veröffentlichungen zur Flora von Brasilien darstellt. Die Mineralogische Staatssammlung München birgt mit der Sammlung des Herzogs Maximilian von Leuchtenberg eine der bedeutendsten historischen Russlandsammlungen außerhalb Russlands. Die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie besitzt neben dem Original der zweiten Urvogel-Art (Archaeopteryx bavarica) weitere weltweit einmalige Wirbeltierfossilien aus der Zeit des Erdmittelalters (z.B. Flugsaurier) und des Tertiärs, sowie die wirbellosen Fossilien aus der Sammlung des Grafen zu Münster, die im 19. Jahrhundert Grundlage für die Neubeschreibung vieler Arten waren. In der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie befinden sich die ca. 7500 Jahre alten Schädel aus der Großen Ofnethöhle am Westrand des Nördlinger Rieses – herausragende Zeugen für das Alltagsleben in der Steinzeit Europas. Mit annähernd 11 Millionen Schmetterlingen besitzt die Zoologische Staatssammlung München vermutlich die größte Schmetterlingssammlung der Welt. www.snsb.de

Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe
Sammlungsschwerpunkte in Karlsruhe sind Gottesanbeterinnen, Käfer, Hautflügler, Schmetterlinge (Entomologie); Spinnentiere, Ruderfußkrebse, Kleinsäuger, Fledermäuse, Primaten (Zoologie); Pilze, Kryptogamen (Botanik); Tertiäre Wirbeltiere aus Höwenegg, Messel, Frauenweiler, Öhningen; Begleitfauna zum Heidelberger Unterkiefer, Flugsaurier (Paläontologie). Das Vivarium ist durch seine erfolgreichen Nachzuchten von Fischen, Reptilien und vor allem Korallen auch international anerkannt und besticht durch die sorgfältige Präsentation von Tiergemeinschaften in ihren Lebensräumen in nahezu allen Ausstellungen.

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Die Forschungssammlungen umfassen mehr als 10 Millionen botanischer, zoologischer, paläontologischer und mineralogischer Objekte und Serien. Die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die historischen Bestände gehen vielfach auf Expeditionen zurück. 1743 gelangten beispielsweise Pflanzen aus Sibirien in das Herbar, die auf einer im Auftrag des russischen Zaren durchgeführten Expedition gesammelt worden waren. Bedeutende Schwerpunkte der botanischen Sammlung liegen in der Flora Baden-Württembergs sowie des Mediterranraumes und der Tropen. Die zoologischen Sammlungen beherbergen wesentliche Bestände aus Südamerika sowie dem südlichen und östlichen Afrika. Die Insektensammlung umfasst Arten aus allen Regionen der Erde, darunter auch die weltweit umfassendste Landasselsammlung. Schwerpunkt der paläontologischen Sammlungen stellen die Funde aus dem Erdmittelalter und der Erdneuzeit Süddeutschlands dar. Weltruf besitzen vor allem der Schädel des Steinheimer Urmenschen und die besonders zahlreichen Saurierfunde aus Baden-Württemberg. Die Sammlung von Bernsteineinschlüssen zählt zu den bedeutendsten Europas.

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere
Das Forschungsmuseum verfügt über eine international bedeutende Sammlung afrikanischer Wirbeltiere und über die größte Sammlung chinesischer Insektern außerhalb Chinas. Damit stellt es einen international bedeutenden Anlaufpunkt für die Erforschung der Insektenfauna der Alten Welt dar.