Sammlungsschätze

In deutschen Forschungssammlungen lagert eine unglaubliche Fülle von Dokumenten und Belegen der Erforschung unseres Planeten, von denen viele zugleich auch einmalige Zeugen der Kulturgeschichte des Menschen sind. Das Konsortium "Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen" umfasst über 100 Millionen naturwissenschaftlicher Sammlungsobjekte und stellt somit den derzeit wohl größten entsprechenden naturkundlichen Sammlungsverbund weltweit dar.

Diese Sammlungen dienen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als einzigartige Forschungsresource. Ehrgeiziges Ziel ist, alle Daten und Metadaten zu den Sammlungsobjekten (also wissenschaftliche Beschreibung inc. Abbildung, Namen, Fundort, Fundumstände, Aufsammlungsalter, Fundalter, wissenschaftliche Auswertung, Verwandschaftsbeziehungen, DNA und Isotopenanalyseergebnisse, Schadstoffanalysen, Literaturverweise, Zustand des Objektes, Besitzer- und Namenswechsel usw.) in weltweit kostenlos und einfach zugänglichen Datenbanken zur Verfügung zu stellen.

Die Erschließung der Sammlungen in dieser Weise ist ein umfassender Beitrag zur globalen Erschließung von Wissen. Derart erschlossene Sammlungen dienen auch als Grundlage zur Bewertung von Umweltveränderungen, zur Unterstützung politischer Entscheidungen (etwa der Einrichtung von Schutzgebieten, der Beurteilung der zulässigen Nutzung, der Bewertung des Einflusses invasiver Tiere und Pflanzen etc). Sie dienen weiterhin als Modellgrundlage zur Bewertung vergangener und Vorhersage zukünftiger Änderungen der Umwelt, der Ökosysteme und der Vielfalt des Lebens. Die DNFS betrachtet ihre Sammlungen als Referenzarchiv, als Infrastruktur zur Erforschung der Evolution der Erde und des Lebens, aber eben auch als Gedächtnis der Erde und des Lebens und damit als essenzielle Bewertungsgrundlage für gesellschaftsrelevante Fragestellungen.

Exemplarisch ist nachfolgend eine kleine Auswahl der größten Schätze in den deutschen Forschungssammlungen aufgelistet. Für nähere Informationen verweisen wir auf die Seiten der Mitgliedsinstitutionen der DNFS.

Berlin: In der größten deutschen naturkundlichen Forschungssammlung, dem Museum für Naturkunde wird ein Original des Urvogels Archaeopteryx lithographica, die Belegstücke zu einer der wichtigsten europäischen Afrika-Expeditionen, der Tendaguru-Expedition aus den Jahren 1909-1913 ins heutige Tansania und das umfangreiche Material früher meeresbiologischer Expeditionen (z.B. deutsche Tiefsee-Expedition Valdivia, 1898-1899) sowie eine der mit 9 Millionen Exemplaren größten Käfersammlungen der Erde aufbewahrt. Die Nasssammlung des Museums umfasst annähernd 275.000 Gläser mit in Alkohol konservierten Tieren. Insgesamt besitzt das Museum über 30 Millionen Sammlungsobjekte. Viele der kulturell und wissenschaftlich besonders wichtigen Objekte wie der Brachiosaurus brancai, Archaoopteryx lithographica, Meteoriten oder Sammlungsobjekte von A.v. Humboldt sind für Besucher als Museumsexponate im Original zugänglich.

Berlin: Im Botanischen Garten und Botanischen Museum befindet sich neben dem Herbar von Carl Ludwig Wildenow, dem Autor der vierten und letzten bedeutenden Auflage von Linnés botanischem Grundlagenwerk, den "Species plantarum" (1797-1825), die vermutlich reichhaligste und wertvollste Sammlung von Farnpflanzen (insgesamt 3 Millionen Belege).

Bonn: Das Zoologische Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig verfügt über eine international bedeutende Sammlung afrikanischer Wirbeltiere und über die größte Sammlung chinesischer Insektern außerhalb Chinas. Damit stellt es einen international bedeutenden Anlaufpunkt für die Erforschung der Insektenfauna der Alten Welt dar.

Dresden: Die Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden umfassen das Museum für Tierkunde, das Museum für Mineralogie und Geologie sowie die Naturhistorische Zentralbibliothek. Das Museum für Tierkunde beispiellsweise besitzt international bedeutende zoologische Sammlungen, darunter eine der größten ornithologischen Sammlungen Deutschlands und Vertreter zahlreicher ausgerotteter Wirbeltierarten. Die Rüsselkäfersammlung (ca. 22.000 Arten) ist einzigartig und weltweit die größte.

Frankfurt am Main: Das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senkenberg besitzt eine der größten deutschen Fossilien- und Rezent-Sammlungen mit besonderen Schwerpunkten im Erdaltertum (Devon), von Meerestieren aus allen Ozeanen, eine der bedeutendsten Landschnecken-Sammlungen und zum fossilen Menschen sowie in der Forschungsstation zur Quartärpaläontologie in Weimar bedeutende Sammlungen zur Fauna und Flora dieses Zeitabschnittes. Es betreibt in Wilhelmshaven eine meeresbiologische und meeresgeologische Forschungsstation sowie das Deutsche Zentrum für marine Biodiveritätsforschung (DZMB) mit einer weiteren Außenstelle in Hamburg und betreut die "Grube Messel" eine der wichtigsten Lagerstätten von alttertiären Säugetieren und Pflanzen in besonderer Erhaltung, die einzige von der UNESCO als "Weltnaturerbe" eingestufte Fundstelle in Europa.

Görlitz: Wissenschaftlicher Schwerpunkt des Staatlichen Museums für Naturkunde ist die Bodenzoologie mit umfassenden Sammlungen von Bodentieren aus Europa und Nordasien, wie vor allem Tausendfüssern, Ameisen, Milben, Springschwänzen und anderen Insekten, sowie Landasseln und Schnecken. Daneben verfügt das Museum über ein umfangreiches Herbarium mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuropa, sowie eine wertvolle Vogel- und Raubsäugersammlung. Durch paläobotanische Forschungsprojekte wurde in den letzten Jahren eine umfangreiche Blätter-, Früchte- und Samensammlung der Braunkohlezeit aus Mitteldeutschland aufgebaut.

Hamburg: Das Zoologische Museum Hamburg (ZMH) ist ein Referenz-Zentrum globaler Biodiversität und beinhaltet umfangreiche Forschungssammlungen. Gründung als Naturhistorisches Museum der Freien und Hansestadt Hamburg 1843. Grundlage war der Erwerb von Aufsammlungen und Privatmuseen  von Hamburger Handelshäusern, Reedern und Kapitänen (Godeffroy, Woermann, Laeisz, Hapag und Hamburg-Süd). Heutiger Bestand: etwa 10 Mio. konservierte Individuen aus allen Tiergruppen.

Müncheberg: Als eigenständige Einrichtung im Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF) verfügt das Deutsche Entomologische Institut über eine weltweit einmalige, nahezu vollständige historische Bibliothek der Insektenkunde mit über 70.000 Bänden, umfangreiche Archivalien zur Forschungsgeschichte mit biographischen Materialen zu über 20.000 Personen, sowie eine wissenschaftliche Spezialsammlung von 3 Millionen Insekten-Präparaten. Im Ensemble sind diese Bestände eine international einzigartige und weltweit genutzte Informationsquelle zur Taxonomie sowie zur Sammlungs- und Wissenschaftsgeschichte der Insektenkunde.

München/Bayern: Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns beherbergen gemeinsam eine Vielzahl hoch wertvoller Funde und Objekte: So besitzt die Botanische Staatssammlung München unter ihren Schätzen die aus dem 19. Jahrhundert stammende Brasilien-Sammlung von Carl Friedrich Philipp von Martius, die Grundlage eines vielbändigen Florenwerkes, welches auch heute noch eine der wichtigsten Veröffentlichungen zur Flora von Brasilien darstellt. Die Mineralogische Staatssammlung München birgt mit der Sammlung des Herzogs Maximilian von Leuchtenberg eine der bedeutendsten historischen Russlandsammlungen außerhalb Russlands. Die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie besitzt neben dem Original der zweiten Urvogel-Art (Archaeopteryx bavarica) weitere weltweit einmalige Wirbeltierfossilien aus der Zeit des Erdmittelalters (z.B. Flugsaurier) und des Tertiärs, sowie die wirbellosen Fossilien aus der Sammlung des Grafen zu Münster, die im 19. Jahrhundert Grundlage für die Neubeschreibung vieler Arten waren. In der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie befinden sich die ca. 7500 Jahre alten Schädel aus der Großen Ofnethöhle am Westrand des Nördlinger Rieses – herausragende Zeugen für das Alltagsleben in der Steinzeit Europas. Mit annähernd 8 Millionen Schmetterlingen besitzt die Zoologische Staatssammlung München vermutlich die größte Schmetterlingssammlung der Welt

Stuttgart: Die Sammlungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart umfassen mehr als 10 Millionen botanischer, zoologischer, paläontologischer und mineralogischer Objekte und Serien. Die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die historischen Bestände gehen vielfach auf Expeditionen zurück. 1743 gelangten beispielsweise Pflanzen aus Sibirien in das Herbar, die auf einer im Auftrag des russischen Zaren durchgeführten Expedition gesammelt worden waren. Bedeutende Schwerpunkte der botanischen Sammlung liegen in der Flora Baden-Württembergs sowie des Mediterranraumes und der Tropen. Die zoologischen Sammlungen beherbergen wesentliche Bestände aus Südamerika sowie dem südlichen und östlichen Afrika. Die Insektensammlung umfasst Arten aus allen Regionen der Erde, darunter auch die weltweit umfassendste Landasselsammlung. Schwerpunkt der paläontologischen Sammlungen stellen die Funde aus dem Erdmittelalter und der Erdneuzeit Süddeutschlands dar. Weltruf besitzen vor allem der Schädel des Steinheimer Urmenschen und die besonders zahlreichen Saurierfunde aus Baden-Württemberg. Die Sammlung von Bernsteineinschlüssen zählt zu den bedeutendsten Europas.

Karlsruhe: Sammlungsschwerpunkte am Staatlichen Museum für Karlsruhe sind insbesondere Schmetterlinge (Entomologie), Bodenfauna, Ruderfußkrebse, Primaten (Zoologie), Moose (Botanik), Tertiäre Wirbeltiere aus Höwenegg, Messel, Frauenweiler, Öhningen, Begleitfauna zum Heidelberger Unterkiefer, Flugsaurier (Geowissenschaften). Das Vivarium ist durch seine erfolgreichen Nachzuchten (Reptilien, Korallen) von internationaler Bedeutung.

Das Herbarium Haussknecht enthält etwa 3,3 Millionen Belege von Pflanzen aus allen systematischen Gruppen und aus allen Erdteilen. Sammlungsschwerpunkte sind Vorderasien, Südost- und Mitteleuropa und - seit 1970 - auch Kuba. Das Herbarium besteht aus der überwiegend systematisch in die Hauptgruppen Samenpflanzen, Farne, Laubmoose, Horn- und Lebermoose, Flechten, Pilze und Algen geordneten Generalsammlung und aus Sammlungen von Pollenpräparaten, Früchten, Minen und Gallen. Die Moossammlung gehört mit ca. 500.000 Belegen zu den zehn größten ihrer Art weltweit. Die Sammlung kubanischer Pflanzen ist mit mehr als 50000 Belegen die größte außerhalb Amerikas. Die angeschlossene Bibliothek verfügt über einen reichen Fundus an Florenwerken, Monographien und Sonderdrucken zur Systematik der Pflanzen sowie Fachzeitschriften. Darüber hinaus werden reiche Archivbestände zur Geschichte der Botanik aufbewahrt.